Willkommen!

Dieses Bild zeigt Sandra Klatt-Olbrich an Gehstützen im Garten stehend

Sandra Klatt-Olbrich hat die Gruppe Mcourage im März 2007 ins Leben gerufen. „Das bisschen Unterstützung vor und nach meiner großen Wirbelsäulen-OP musste ich mir hart bei den Behörden und der Krankenkasse erkämpfen!“, sagt die 40-jährige Mutter von zwei kleinen Söhnen. „Damit Frauen in ähnlicher Situation nicht das Gleiche durchmachen müssen wie ich – dafür gibt es die Müttergruppe“.

M courage

Mütter mit Behinderung unterstützen sich

Dieses Foto zeigt Imke mit ihrem Sohn. Beide „gehen“ zusammen spazieren. Sie sitzt im E-Rolli, er läuft neben seiner Mutter her und legt seine Hand auf ihre. Beide schauen sich einvernehmlich in die Augen

Auf Augenhöhe: Durch gezielte Hilfe können Imke und ihr Sohn viel zusammen unternehmen

Wer wir sind

Wir sind eine Selbsthilfegruppe in Hamburg von derzeit elf Frauen mit unterschiedlichen Körper- und Sinnesbehinderungen oder chronischen Krankheiten, wie Multiple Sklerose zum Beispiel. Jede Mutter hat ihre eigene Biografie und Geschichte. Aber alle haben wir ähnliche Erfahrungen gemacht: Der monatelange Kampf mit Kostenträgern um finanzielle Unterstützung oder Hilfsmittel, offene und versteckte Formen der Ausgrenzung, Zweifel an unseren Mutterqualitäten selbst im engsten Umfeld. In der Gruppe können wir geschützt darüber sprechen und uns austauschen. Der Name „M courage“ ist dabei Programm und Ziel zugleich: Wir möchten uns gegenseitig Mut machen, das Leben mit Kind trotz Behinderung zu meistern - und zu genießen!

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Ich habe immer viel gearbeitet und in die Sozialkassen eingezahlt. Als Mutter leiste ich heute einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl in dieser Gesellschaft, indem ich zwei Kinder großziehe. Doch als sich nach der Geburt meiner Söhne und durch die tägliche körperliche Belastung (heben, tragen, wickeln, stillen) meine gesundheitliche Situation verschlechterte, fühlte ich mich plötzlich als unbequeme Bittstellerin: Die Krankenkasse blockierte meine Anträge auf Haushaltshilfe. Denn die steht Patienten mit einem chronischen Krankheitsbild nicht zu – „wir zahlen nur im akuten Fall“, hieß es. Erst als ich einen Anwalt einschaltete, ging es ein kleines Stück voran. Und nach langer Suche fand ich schließlich auch einen Arzt, der mein Anliegen mit unterstützte. Im Laufe der Zeit lernt man dann das Procedere: Antrag stellen, Ablehnung entgegennehmen, Widerspruch einreichen, Rechtsbeistand konsultieren. Das ist auf Dauer zermürbend. Aber man muss trotzdem kämpfen. Wie haben das andere Frauen in ähnlicher Situation gemacht? Wie schaffen es behinderte oder chronisch kranke Mütter überhaupt, Hilfe zu erhalten, wenn sie noch weniger Kraft haben als ich damals? Müssen wir alle die gleichen unwürdigen Erfahrungen machen, beim Stellen von Forderungen, die doch eigentlich unser gutes Recht sein müssten? Und muss erst die Katastrophe eintreten, bis gezielt geholfen wird? Darf es sein, dass eine Mutter mit einem gebrochenen Finger Haushaltshilfe genehmigt bekommt, die Mutter nach einem MS-Schub aber nicht?! Diese Fragen - und viel Wut im Bauch - trieben mich an, mich mit anderen Müttern zusammenzutun, Erfahrungen auszutauschen, Interessen zu bündeln. «


Bei der Gründung unserer Gruppe hat maßgeblich die Beratungsstelle für behinderte Menschen, Autonom Leben, geholfen. Autonom Leben stellt die Räumlichkeiten für die Treffen zur Verfügung, die selbstverständlich barrierefrei zugänglich sind. Bei individuellen Fragen arbeiten wir mit Autonom Leben zusammen, z. B. wenn eine Einzelberatung gewünscht ist. Um die Gruppenarbeit auf solide Füße zu stellen, werden Gruppe und Gruppenleiterin bei Bedarf im Hintergrund begleitet von einem professionellen Coach. So können Spannungen, wie sie hin und wieder in jeder Gruppe auftreten, oder belastende Themen angemessen aufgefangen und reflektiert werden. Diese Supervision hat dazu beigetragen, dass sich die Gruppe zu einer lebendigen und im besten Sinn streitbaren Gemeinschaft entwickelt hat.

Letztendlich aber sind es die Frauen selbst, die die Gruppe zu dem machen, was sie ist. Jede Mutter leistet auf ihre Art – und im Rahmen ihrer Möglichkeiten – einen wichtigen Beitrag und bringt somit ihre Farbe mit in die Gruppe ein.

Geben und Nehmen

Die Arbeit der Gruppe beruht auf dem Prinzip der Selbsthilfe und grenzt sich deshalb von professionellen Beratungsangeboten ab. Wir Frauen sind keine Experten, aber der Austausch unter „Gleichgesinnten“ ist kostbar und nicht durch andere Hilfsangebote zu ersetzen. So können wir uns gegenseitig verstehen, einander zuhören, offen sprechen und Tipps aus erster Hand austauschen. Anderen Frauen mit den eigenen Erfahrungen weiterhelfen zu können ist zudem ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man im Alltag doch sonst oft genug die Hilfe Anderer in Anspruch nehmen muss.

Bei sich ankommen

Vor allem aber ist die Müttergruppe der einzige Raum, in dem wir unsere Identität als Mutter mit Behinderung offen zeigen können. Denn überall sonst – als Ehefrau oder Partnerin, als Nachbarin, als Mutter in Kindergarten oder Schule, als Berufstätige oder als Freundin – steht die Behinderung nicht immer unmittelbar im Vordergrund (soll sie ja auch nicht). In der Müttergruppe hingegen können wir Frauen unsere ganze Persönlichkeit - mit der Behinderung - leben und konkret zum Thema machen. Diese Ganzheitlichkeit zuzulassen und zu empfinden, ist eine große Erleichterung. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu sich selbst.

Mcourage wird unterstützt durch das Hamburger Spendenparlament.